Ein Gastkommentar von Manuela Mohr-Zydek, Country Managerin Salesforce Austria

Die anhaltenden Spekulationen über einen möglichen Wegfall von Einstiegsjobs durch KI sorgen dafür, dass viele junge Berufstätige dem Beginn ihrer Karriere mit Unsicherheit entgegensehen. In dieser Situation sind Unternehmen zu Ehrlichkeit verpflichtet: Ja, KI verdrängt einige traditionelle Einstiegsaufgaben. Ja, der Weg in die Berufswelt verändert sich. Aber: Die Einführung von KI bedeutet nicht zwangsläufig weniger Chancen. Unternehmen müssen sich jedoch dazu verpflichten, neue Rollen zu schaffen, die menschliches Urteilsvermögen mit KI-Fähigkeiten verbinden.

Während Arbeitsmarktdaten aktuelle Herausforderungen aufzeigen, deuten Untersuchungen darauf hin, dass die Mehrheit der Führungskräfte (58 %) plant, die Einstellung von Berufseinsteiger:innen auszuweiten, allerdings für grundlegend andere Aufgabenbereiche. So prognostiziert der Bericht „Four Futures of Jobs in the New Economy" des Weltwirtschaftsforums, dass sich bis 2030 mehr als 40 % aller Arbeitnehmerqualifikationen verändert haben werden. Die neu geschaffenen Arbeitsplätze erfordern nach wie vor Kernkompetenzen wie Kommunikation und kritisches Denken, aber auch neue Fähigkeiten wie KI-Kompetenz, also die Fähigkeit, effektiv mit KI zusammenzuarbeiten, um geschäftliche Erfolge zu erzielen.

Agentic Enterprise: Wie KI-Agenten Arbeit neu definieren
Das Zeitalter der agentenbasierten KI – KI-Agenten, die autonom im Namen von Mitarbeiter:innen handeln können – beschleunigt diesen Wandel. In den nächsten Jahren wird jedes Unternehmen in jeder Branche zu einem Agentic Enterprise werden: Organisationen, die menschliches Fachwissen mit KI-gestützten Agenten kombinieren, um mit neuen Kapazitäten und Präzision zu arbeiten. Dabei handelt es sich nicht einfach um die Automatisierung bestehender Prozesse, sondern um die Schaffung völlig neuer Fähigkeiten und Arbeitsweisen. Ziel ist es, die „letzte Meile" zu schließen und KI für Unternehmen in der Praxis nutzbar zu machen.

Die tiefgreifendste Auswirkung der agentenbasierten KI ist dabei nicht die Ersetzung menschlicher Arbeitsplätze, sondern die Befreiung von Routineaufgaben und die Steigerung der menschlichen Produktivität, Kreativität und Zielstrebigkeit. Durch die Übernahme vieler Aufgaben, die früher als Einstiegsarbeit galten – Dateneingabe, Routineprogrammierung, Terminplanung, Erstellung von Erstentwürfen – können sich Menschen nun auf das konzentrieren, was Maschinen noch nicht gut können: die richtigen Fragen stellen, ethische Überlegungen anstellen und entscheiden, was wichtig ist.

Zusammenarbeit mit KI meistern
Bei KI-Kompetenz geht es nicht darum, Algorithmen zu verstehen. Es geht darum, die Zusammenarbeit zu meistern, die die Art und Weise, wie Arbeit erledigt wird, verändert. Mitarbeiter:innen müssen also ein technisches Grundverständnis entwickeln, um die Arbeit von Agenten zu verstehen und sie für ihre Zwecke einzusetzen. Nur so kann eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Menschen und Agenten sichergestellt und echter Mehrwert erzielt werden.

Bei Salesforce begleitet das AI Fluency Playbook diesen Fortschritt für unsere gesamte Belegschaft. Die Ergebnisse bestätigen den Ansatz: 100 % Akzeptanz bei den Mitarbeiter:innen, über 500.000 eingesparte Stunden und, was am aussagekräftigsten ist, 87 % unserer Nutzer:innen geben an, dass sie anspruchsvollere und interessantere Aufgaben übernehmen. Wenn Unternehmen systematisch in KI-Kompetenz investieren, passen sich die Mitarbeiter:innen nicht nur an, sondern gewinnen auch Einfluss auf ihre Arbeitsweise und das Selbstvertrauen, von der taktischen Ausführung zum strategischen Denken überzugehen.

Warum Urteilsvermögen der neue Wettbewerbsvorteil ist
Die meisten Unternehmen stellen nach wie vor Mitarbeiter:innen ein, die Aufgaben effizient ausführen können. In einer Welt, in der KI Aufgaben nahezu sofort ausführt, unterscheidet Urteilsvermögen leistungsstarke Mitarbeiter:innen von den anderen.

Die neuen Kompetenzen konzentrieren sich auf Bewertung und Steuerung: Bewertung von KI-generierten Kunden-E-Mails hinsichtlich des Tonfalls und der Markenausrichtung, Aufdecken von Lücken in KI-erstellten Finanzmodellen, Stellen von Folgefragen, die neue strategische Richtungen eröffnen. Dabei handelt es sich nicht um technische Fähigkeiten, sondern um menschliche Fähigkeiten, die durch die Zusammenarbeit mit KI noch verstärkt werden.


Was Führungskräfte jetzt tun müssen
Für Führungskräfte in der Wirtschaft erfordert dieser Wandel mehr als nur Anpassung. Er erfordert Verantwortungsbewusstsein. Wir müssen KI-Kompetenzprogramme entwickeln, die Engagement, Einsatzbereitschaft und Fachwissen messen, nicht nur technische Zertifizierungen. Wir müssen Einstiegspositionen aktiv neugestalten, um Urteilsvermögen und Koordinationsfähigkeit gegenüber der bloßen Erledigung von Aufgaben in den Vordergrund zu stellen. Wir müssen klare Wege von der Ausbildung zu diesen neuen Positionen schaffen und dürfen junge Fachkräfte dabei nicht allein lassen.

Vor allem müssen sich Unternehmen dazu verpflichten, diese neuen Positionen zu schaffen, anstatt nur darüber zu reden.

Unternehmen, die in den Aufbau dieser neuen Karrierewege investieren, verschaffen sich nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern tragen auch zur Lösung einer generationsprägenden Herausforderung bei.