Das Institut für Österreichs Wirtschaft (iföw) hat eine Studie veröffentlicht, die mit ziemlicher Sicherheit in- und außerhalb der Bauwirtschaft für ordentlich Furore sorgen wird. Erstmals wurde die Branche mithilfe der von Eurostat empfohlenen Methode des Satellitenkontos analysiert. Damit wird das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk der Bauwirtschaft abgebildet, das aus nicht weniger als 30 verschiedenen Sektoren besteht. Die daraus abgeleiteten Zahlen zeigen, dass die Bedeutung der Bauwirtschaft als Wirtschaftsmotor bislang stark unterschätzt wurde. Tatsächlich hängt jeder fünfte in Österreich erwirtschaftete Euro unmittelbar oder mittelbar mit der Bauwirtschaft zusammen. Die Wertschöpfung der Bauwirtschaft ist mal größer als Gastronomie und Beherbergung zusammen. Nicht minder beeindruckend sind die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. 624.000 Beschäftigte sind mittelbar in der Bauwirtschaft beschäftigt. Unter Einbeziehung der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungseffekte sind sogar knapp 1,1 Millionen Arbeitsplätze mit der Bauwirtschaft verbunden. Zudem generiert der Sektor rund 27 Milliarden an Steuern und Abgaben.
Dass eine so wichtige Branche von der Regierung als Querschnittsmaterie betrachtet wird, ist unverständlich. Es gibt kein eigenes Ministerium, noch nicht einmal ein Staatssekretariat ist sich bei den letzten Koalitionsverhandlungen ausgegangen. Auch wenn es dem Vernehmen nach denkbar knapp war. Die Folge ist ein undurchsichtiges Durcheinander von Zuständigkeiten. Ein bisserl ist der Wirtschaftsminister zuständig, ein bisserl der Umweltminister, ein bisserl der Vizekanzler. Wenn man sich die Ergebnisse der iföw-Studie ansieht, drängt sich eine Frage unweigerlich auf: Was braucht es denn noch, damit die Politik den Stellenwert der Bauwirtschaft erkennt und die Branche auch in der Ressortverteilung mit für die österreichische Volkswirtschaft deutlich weniger wichtigen Branchen zumindest gleichgesetzt wird.