By Alfons A. Flatscher on Dienstag, 06. Oktober 2026
Category: Europa

Mit leerem Tank

An der Zapfsäule beginnt Geopolitik. Nicht im Konferenzsaal, nicht in Brüssel, sondern dort, wo Pendler, Spediteure und Bauunternehmer merken, dass ohne Diesel alles steht. Ein perfekter Sturm hat sich zusammengebraut. Energieangriffe zwischen Russland und der Ukraine, Huthi-Attacken auf saudische Infrastruktur, Sperre von Hormus und der Ausweichrouten, fast leere Treibstofflager. Wer da noch von »temporären Verwerfungen« spricht, versucht zu beschönigen.

Natürlich ist Vorsicht geboten: Manche Prognosen über die große Krise sind interessengeleitet, manche Quellen schwer beladen. Aber der harte Kern bleibt. Energiesicherheit hängt an Pipelines, Raffinerien, Meerengen und politischer Nervenstärke. Wird an mehreren Stellen gezündelt, reicht ein Funke und Preis explodieren.

Europa kennt dieses Drehbuch. Erst heißt es: alles unter Kontrolle. Dann: Märkte regeln das. Am Ende zahlt der Mittelstand – mit höheren Transportkosten, teureren Baustoffen und weniger Planungssicherheit. Energiepolitik ist Infrastruktur, Vorrat, Diversifizierung und nüchterne Risikorechnung. Wer das vergisst, steht wieder da: empört, überrascht – mit leerem Tank!