By Andreas Pfeiler on Mittwoch, 14. Oktober 2026
Category: Europa

CO2-Speicherung: Scheinlösung oder Allheilmittel

Die Diskussion darüber, ob CO2 in geeigneten Bodenlagerstätten (Carbon Capture and Storage – CCS) gespeichert werden darf oder nicht, wird häufig als ideologische Debatte zwischen Klimaschutz und Industrie geführt. Tatsächlich geht es aber vielmehr um die Frage, wie Österreich seine Klimaziele realistisch erreichen kann. Gerade deshalb ist die ideologische Ablehnung von CCS zu kurz gegriffen.

Die Kritik vieler Umweltorganisationen ist dann nachvollziehbar, wenn CCS als alleinige Zukunfts­chance gesehen wird, um gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien zu bremsen oder fossile Energieträger künstlich am Leben zu erhalten. Auch Fragen von Kosten, Haftung und langfristiger Sicherheit verdienen eine ernsthafte Diskussion. CCS sollte niemals ein Ersatz für Emissionsvermeidung sein, ist aber ein wichtiger Baustein im Gesamtkontext. Beispielsweise entstehen in der Zement- und Kalkindustrie sogenannte Prozessemissionen. Diese entstehen nicht primär durch den Energieträger, sondern durch chemische Reaktionen im Produktionsprozess selbst. Bei deren Herstellung wird CO₂ freigesetzt, selbst wenn die Anlage vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben wird.

Kein Ersatz, sondern Ergänzung
Wer CCS daher pauschal als »Scheinlösung« bezeichnet, muss erklären können, wie diese Industrien sonst bis 2040 klimaneutral werden sollen. Die Realität ist, dass nahezu alle seriösen internationalen Klimaszenarien CCS zumindest für schwer vermeidbare Emissionen vorsehen. Auch der Weltklimarat erkennt das Potenzial der Technologie an, wenn auch unter klaren Rahmenbedingungen und mit entsprechender Regulierung.

Damit wird auch ein zentraler Einwand vieler Kritiker relativiert. CCS ist dann problematisch, wenn es als Ersatz für Klimaschutzmaßnahmen verstanden wird. Ziel ist aber vielmehr die Technologie dort einzusetzen, wo andere Maßnahmen an ihre physikalischen Grenzen stoßen. Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob CCS eingesetzt werden soll, sondern wofür.

Werkzeug zur Klimaneutralität
Die Position der Industrie verdient daher differenzierte Betrachtung. CCS ist keine Konkurrenz zum Klimaschutz, sondern in bestimmten Bereichen eine Voraussetzung dafür. Wer Klimaneutralität fordert, muss auch Technologien akzeptieren, die für ihre Erreichung notwendig sind. Andernfalls droht ein Widerspruch: ambitionierte Klimaziele auf der einen Seite, aber die Ablehnung der wenigen Instrumente, mit denen sie in energieintensiven Industrien tatsächlich erreichbar sind, auf der anderen Seite.

CCS ist weder Scheinlösung noch Allheilmittel, sondern ein Werkzeug. Und auf dem Weg zur Klimaneutralität wäre es fahrlässig, auf ein Werkzeug zu verzichten, das gerade dort wirkt, wo andere Maßnahmen an ihre Grenzen stoßen.