Leben mit der Krise

Leben mit der Krise

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind noch nicht absehbar. In einigen Branchen zeichnen sich bereits dramatische Verluste ab, WirtschaftsforscherInnen rechnen für das kommende Jahr mit einer Pleitewelle. Viele Betriebe nützen die Gunst der Stunde für ein Überdenken ihres Geschäftsmodells oder eine Neuorientierung. Report(+)PLUS hat Unternehmerinnen und Unternehmer gefragt, wie sie der Krise begegnen.

1. Wie wirkt sich die Pandemie auf Ihre Branche aus?

Martin Sperl, Direktor des Fleming's Selection Hotel Wien-City



Die Pandemie belastet die Hotellerie massiv. Besonders die Stadthotellerie wurde von der Krise hart getroffen. Viele Hotels, zum Beispiel in Wien, sind noch geschlossen und die Auslas­tung ist bedenklich gering. Die Planungssicherheit für die nächsten Monate ist momentan nicht gegeben. Somit können wir nur hoffen, dass sich die Lage in naher Zukunft entspannt und wir weitere Unterstützung der Regierung erhalten.

Julian Breitenecker, CEO & Co-Founder von Fox Education Services



Fox Education entwickelt digitale Lösungen für die sichere und einfache Kommunikation, Kollaboration und Organisation in Schulen (»SchoolFox«) und Kindertagesstätten (»KidsFox«) und verbessert damit das Leben für die Leitung, die PädagogInnen, die Kinder und SchülerInnen sowie deren Eltern. Damit befindet sich Fox Education in einer Branche, die durch die Corona-Pandemie angefeuert wird. Bildungseinrichtungen digitalisieren im Schnellverfahren, LehrerInnen und Eltern sind auf den digitalen Zug aufgesprungen, teils freiwillig, teils notgedrungen. SchoolFox hat seine Nutzerschaft in der Coronakrise mehr als verdoppeln können und plant nun die Expansion außerhalb der DACH-Region.

Ulrike Haslauer, Geschäftsführerin compact electric GmbH

In unserem Unternehmen sind wir die Produktvielfalt betreffend breit aufgestellt. Im Kennzeichnungsbereich mit Druckern und Etiketten haben wir einen massiven Einbruch verzeichnen müssen. Grund dafür sind die Schließungen der Produktionen und Einführung der Kurzarbeit bei vielen Industriebetrieben in Österreich. Im Bereich der Elektronikerzeugung haben wir anfänglich Schlimmes befürchtet, nach zwei Monaten konnten wir halbwegs zur Normalität zurückkehren. In der Abteilung Schaltschrankbau konnten wir durch andauernde Projekte, die bereits vor der Pandemie bestanden haben, ohne jegliche Einschränkungen produzieren. Generell denke ich, dass mit einiger Zeitverzögerungen auch in unserer Branche massive Einbrüche kommen werden, da Investitionen trotz Förderungen zurückgehalten werden und die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen coronabedingt sicher kritisch ist.


2. Mit welchen Maßnahmen meistern Sie die Herausforderungen?

Martin Sperl

Für uns stehen der Schutz und die Sicherheit der Gäste und Mitarbeiter an erster Stelle. Daher haben wir als Fleming’s Hotels firmenweit schon am Anfang der Krise ein unabhängiges Sicherheitskonzept, das »Fleming’s feel safe«-Versprechen, ausgearbeitet. Dieses beinhaltet unter anderem flexible Raten für risikoloses Buchen, strenge Reinigungspläne und Flächendesinfektionen, bargeldloses Bezahlen, zertifizierte Lieferanten sowie gut geschulte und regelmäßig getestete Mitarbeiter.

Julian Breitenecker

Gleich nach Ausbruch von Covid-19 und den damit einhergehenden Maßnahmen, wie Schulschließungen oder Staffelunterricht, hat sich Fox Education nur auf Funktionen fokussiert, die »corona-relevant« sind, wie Video-Unterricht, File-Sharing oder Klassen-Chats. Wir haben gleichzeitig alle Premium-Funktionen sämtlichen Schulen und Kindergärten kostenlos zur Verfügung gestellt, um die kritische Infrastruktur der digitalen Kommunikation zwischen Elternhaus und Schule möglichst barrierefrei großflächig anbieten zu können. Das hat FoxEducation zwar ein halbes Jahr Umsatz gekostet, dies wird jedoch zu Schulbeginn jetzt gedankt: Die Schulen bleiben an Bord und sind nun bereit, einen kleinen finanziellen Beitrag für die Jahreslizenz zu leisten.

Ulrike Haslauer

Wir sind von Anfang an im Unternehmen geblieben, haben versucht, einen laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Wir schützen unsere Mitarbeiter durch einen Corona-Verhaltensregelungsplan. Oberste Prämisse ist für uns, den Materialfluss in allen Bereichen aufrecht zu erhalten, damit die Produktionen laufen können. Wir haben im Bereich der Handelsware auf Covid-bekämpfende Produkte adaptiert – Spuckschutzwände, Masken, Covid-Erkennung und dergleichen. Man muss eben sehr flexibel sein!


3. Was haben Sie durch die Krise gelernt?

Martin Sperl

Nach langen Jahren in der Hotellerie habe ich gelernt, dass man Krisen am besten meistert, wenn man vorab schon eine stabile Basis geschaffen hat. Zudem ist das Thema Leadership noch stärker in den Vordergrund getreten. Es hat sich gezeigt, wie wichtig transparente Kommunikation, Vertrauen und Zusammenhalt in einem Unternehmen sind.

Julian Breitenecker

Gelernt haben wir, dass man in solchen Krisen äußerst rasch reagieren und flexibel handeln muss. Welchen Bedarf gibt es in und durch die Pandemie? Wie können wir so rasch Ressourcen aufbauen, um die neuen Ziele umzusetzen und das Ohr weiterhin am Kunden, den Schulen, halten, um zu spüren, was am dringendsten benötigt wird? Ein Beispiel für unser rasches Handeln: Wir haben bereits am 9. März 2020 erkannt, was hier an Traffic auf uns zukommen wird: schlagartig mehr Schulen, mehr Mitteilungen, Umstieg auf Video-Unterricht, etc. Wir haben bereits in den ersten Tagen nach Ausbruch die Serverkapazitäten so hoch gedreht, dass wir niemals verlang­samt oder offline waren. Selbst Microsoft und all unsere Mitbewerber haben das nicht geschafft und waren tagelang nicht erreichbar.

Ulrike Haslauer

Was Unternehmer sowieso in den letzten Jahrzehnten immer leisten mussten: höchst flexibel sein und keine Angst haben. Der Weg nach vorne ist der wichtigste!

 

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