Gleichstellung in der IKT

Gut besuchter Auftaktevent der Plattform WOMENinICT im Enterprise Training Center (ETC). Foto: VÖSI/timeline/Rudi Handl Gut besuchter Auftaktevent der Plattform WOMENinICT im Enterprise Training Center (ETC). Foto: VÖSI/timeline/Rudi Handl

Frauen sind in der Softwareentwicklung nach wie vor eher eine Seltenheit. Um ein Umdenken zu erreichen, hat der Verband Österreichische Software Industrie die Plattform WOMENinICT gegründet. Mitte Juni fand die Auftaktveranstaltung einer Serie zu Berufsbildern in der Technik statt.

»Der Frauenanteil an österreichischen Universitäten liegt bei den Studierenden über 50 Prozent, beim Informatik-Studium dümpeln wir bei nur 14 Prozent«, kritisiert Christine Wahlmüller-Schiller, Mitgründerin von WOMENinICT. Auch der Blick in viele IT-Abteilungen und IT-Unternehmen zeigt: Frauen sind in der Software-Entwicklung nach wie vor eher eine Seltenheit. In vielen Köpfen ist diese Position männlich besetzt. Um das zu ändern, müsse vor allem im Bildungs- und Ausbildungsbereich angesetzt werden – also weg von typischen klassischen Rollenbildern und Vorurteilen.

Ziel der Initiative ist, Frauen in der Informations- und Telekommunikationsbranche sichtbarer zu machen und mehr junge Frauen und Mädchen für die IKT zu begeistern. »Uns ist es wichtig, Frauen der ICT-Branche vor den Vorhang zu holen und dadurch mit alten Rollenbildern aufzuräumen«, betont Brigitte Rafael, ebenfalls Mitgründerin von WOMEN­inICT. Sie ist Senior Certified IT Specialist und Executive Assistant von Patricia Neumann, der Generaldirektorin von IBM Österreich. Neumann betont: »Frauen für technische Berufe zu begeistern, ist mir ein persönliches Anliegen. In der IBM sprechen wir mit unserem Client Innovation Center in Wien gezielt Software-Entwicklerinnen an.«

»Wir wollen anhand konkreter Persönlichkeiten zeigen, dass verschiedene IT-Berufe auch von Frauen exzellent ausgeübt werden können«, erklärt Wahlmüller-Schiller. Das zeigten beim Auftakt in Wien 15 IT-Fachfrauen, von der Software- und Application-Entwicklerin bis zum Berufsbild Software Test Engineer.

Beruf macht Spaß

»Schon als Kind haben mich Computer interessiert, ich habe sie auseinandergeschraubt und wieder zusammengebaut«, erzählt Marlene Dorfinger, heute Softwareentwicklerin bei MP2 IT-Solutions, aus ihrer Kindheit. Nach dem TGM mit dem Schwerpunkt Informationstechnologie wechselte sie auf die FH St. Pölten, wo ihr Interesse für die Software-Entwicklung geweckt wurde. »Bei MP2 IT-Solutions bin ich nun in den Bereichen Projektmanagement und Softwareentwicklung tätig. Wir entwickeln ein Informationstool für Ambulatorien, Kur- sowie Reha-Betriebe. Es ist eine Aufgabe mit sehr viel Abwechslung, unsere Kunden haben die unterschiedlichsten Prozesse und Anforderungen.« Kommunikation ist dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor, mit dem Kunden wie im Team.

»Nach dem Gymnasium habe ich eine HAK mit IT-Zweig besucht, seit März bin ich bei Atos«, berichtet Petra Kaiser. Als Application Developerin arbeitet sie am Konzeptionieren und Programmieren kundenspezifischer Apps. »Mir gefällt die Teamarbeit. Mit den Entwicklern gemeinsam überlegen wir Lösungen und setzen sie um.« Zur Entscheidung für IT meint sie. »Nur Themen, die interessieren, setzt man auch perfekt um – für mich war das die Software.«

»Nach einem abgeschlossenen BWL-Studium bekam ich die Chance, ins Software-Testing hineinzuschnuppern«, erinnert sich Iris Wieshofer. »Über die Jahre habe ich das Programmieren gelernt. Heute bin ich Software Test Engineer bei ­InfraSoft und schreibe für die automatisierte Qualitätskontrolle von Softwareprogrammen meine eigenen Codes. Dies erfolgt immer themenübergreifend, das ist für mich sehr spannend.«

Beim AMS hat Rukayah Jabr vom Programm »Frauen in der Technik – FiT« gehört. Es folgte ein Studium an der FH Campus Wien. Heute arbeitet sie als Softwareentwicklerin im IBM Client Innovation Centre. »Mein Rat an alle Mädchen ist, möglichst viel auszuprobieren, über Schnuppertage und Praktika sich zu trauen, andere Wege zu gehen und etwa über soziale Netzwerke mit anderen aus der Branche reden. Der Beruf begleitet an die 40 Jahre, da muss sicher sein, dass er Spaß macht.«

Last modified onMittwoch, 22 Juli 2020 12:18
back to top