»Verpackungen sind ein wertvolles Gut«

Foto: »Mit einem Klick können Zusatzinformationen abgerufen werden – ein echter Mehrwert«, sieht  Thomas Schulz viel  Potenzial in Augmented-Reality-Lösungen. Foto: »Mit einem Klick können Zusatzinformationen abgerufen werden – ein echter Mehrwert«, sieht Thomas Schulz viel Potenzial in Augmented-Reality-Lösungen. Foto: Constantia/ Martina Draper

Mittels Augmented Reality erweckt Constantia Flexibles, einer der führenden Verpackungshersteller weltweit, Verpackungen zum Leben. Thomas Schulz, Vice President Consumer Marketing, erkennt in der Technologie »mannigfaltige Möglichkeiten« – für Markenartikelhersteller ebenso wie für Konsumentinnen und Konsumenten.

Report: Was bedeutet die Covid-19-Krise aktuell für Ihr Unternehmen?

Thomas Schulz: Unsere Produktion läuft auf Hochtouren, selbstverständlich unter strenger Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen. Alle anderen Bereiche wurden ins Homeoffice verlegt, das funktioniert sehr gut. Unsere Unternehmensgruppe ist weltweit tätig. Wir tragen mit unseren Produkten dazu bei, dass es überall weitergeht.

Report: Welche Ziele hatten Sie für heuer? Mussten Sie Ihre Pläne revidieren?

Schulz: Unser Kerngeschäft sind flexible Verpackungslösungen für Food-, Hygieneartikel- und Pharmakunden. Diese Bereiche werden aktuell sehr stark nachgefragt, darauf richten wir derzeit den Hauptfokus. Gleichzeitig bleiben wir unserem Bekenntnis zur Nachhaltigkeit treu. Nachhaltigkeit bedeutet für uns vollständig recycelbare Verpackungen, die den höchsten Umweltstandards entsprechen, ebenso wie der Einsatz von erneuerbarer Energie bei der Herstellung und die Reduzierung der CO2-Emissionen.

Report: Vor Covid-19 war die Klima­krise das beherrschende Thema. Constantia Flexibles wurde in die prestigeträchtige Liste des CDP (Carbon Disclosure Project) der klimabewussten Unternehmen aufgenommen. Hat dieses Ranking auch eine wirtschaftliche Bedeutung?

Schulz: Constantia Flexibles scheint schon seit längerem in dieser Liste auf, belegt aber nun nicht nur eine gute, sondern eine Spitzenposition. Nachhaltigkeit ist ein integrer Bestandteil unserer Firmenphilosophie. Wir folgen diesen Bestrebungen seit vielen Jahren und haben uns hohe Ziele gesetzt. Damit zeigen wir unseren Kunden – das sind Markenartikelhersteller ebenso wie Konsumentinnen und Konsumenten –, dass es uns ernst ist.

Report: Gemeinsam mit dem Augmented-Reality-Pionier Wikitude aus Salzburg haben Sie digital lesbare Verpackungen entwickelt. Welche Möglichkeiten bietet Interactive Packaging?

Schulz: Diese Technologie eröffnet mannigfaltige Möglichkeiten. Mit einem Klick können mittels Bilderkennungs-App beispielsweise von einer Verpackung Zusatzinformationen abgerufen werden – etwa zur Herkunft, Inhaltsstoffen oder Gebrauchshinweisen: Von welcher Kuh kommt die Milch? Was kann ich damit kochen? Wo kann ich die leere Verpackung entsorgen? Gerade auf Lebensmittelverpackungen ist ja der Platz bereits sehr begrenzt.

Report: Können die Features ohne größeren Aufwand individuell angepasst werden?

Schulz: Darin liegt der große Vorteil unserer Lösung. Die Inhalte können individuell an die Bedürfnisse der Kunden angepasst werden, ohne das optische Erscheinungsbild der Verpackung zu verändern. So wird Real-Time-Kommunikation tatsächlich möglich. Hat ein Markenartikel zum Beispiel einen Rennfahrer als Testimonial, können ihm Kunden zum Sieg gratulieren oder an einem Gewinnspiel teilnehmen. Man kann sogar einzelne Artikel, z.B. Schokolade, mit animierten Botschaften personalisieren. Oder man lässt sich passende Rezeptideen anzeigen und per Video bei der Zubereitung anleiten.

Report: Wo sehen Sie das größte Potenzial für interaktive Verpackungen?

Schulz: Die Zahl der erklärungsbedürftigen Produkte nimmt stetig zu, inbesondere was allergene Stoffe, Nährwerte oder Informationen bezüglich Nachhaltigkeit betrifft. Wenn Sie bei einem pharmazeutischen Produkt den Beipackzettel verloren haben, können Sie die nötigen Informationen über die App abrufen. Die Sprache und Schriftgröße lassen sich ganz leicht anpassen. Bei Unklarheiten über die Dosierung oder die richtige Einnahme des Medikaments ist sogar ein Live Chat mit einem Arzt möglich. Das ist ein echter Mehrwert für Konsumenten.

Report: Gibt es schon Erfahrungswerte, wie Konsumentinnen und Konsumenten die Kommunikationsfunktion via Smartphone annehmen?

Schulz: Laut einer repräsentativen Umfrage in Deutschland würden 69 % der Befragten interaktive Verpackungen bevorzugen. 18 % wären sogar bereit, für diese zusätzlichen digitalen Features mehr auszugeben. Das ist schon ein sehr starkes Argument. Gerade in der Lebensmittelindustrie gibt es sehr ähnliche Produkte – die Verpackung beeinflusst die Kaufentscheidung signifikant mit. Augmented Reality bietet hier ein Alleinstellungsmerkmal.

Report: Wäre der Zugang nicht noch niederschwelliger, müsste man nicht eigens eine App installieren?

Schulz: Jeder Markenartikelhersteller möchte natürlich seine eigene App, mit der man direkt an die markenspezifischen Informationen gelangt. Nur so bleibt der Markenauftritt einheitlich.

Der QR-Code, der bereits auf vielen Produkten aufgedruckt ist, bietet nur eingeschränkte Möglichkeiten. Augmented-Reality-Anwendungen wie Videoclips oder ein 3D-Modell sind damit nicht möglich. Interactive Packaging hat den Vorteil, dass auf die Verpackung nichts aufgedruckt werden muss. Auch wenn sich das Design ändert, sind alle Informationen weiterhin verfügbar.

Report: Wie steht es um die Datensicherheit?

Schulz: Die Lösung ist zu 100 % mit der Datenschutzgrundverordnung abgestimmt. Der Konsument muss beim Abruf von Informationen keine persönlichen Daten preisgeben. Bei der Teilnahme an Gewinnspielen natürlich schon, hier besteht kein Unterschied zu konventionellen Aktionen.

Report: Was schätzen Sie, in welchem Zeitraum sich interaktive Verpackungen auf dem Markt durchsetzen werden?

Schulz: Wir rechnen in den nächsten fünf Jahren mit sehr starkem Zuwachs. Die Konsumenten sind sehr wissbegierig. Eine technische Barriere gibt es praktisch nicht mehr – das Smartphone ist allgegenwärtig und Teil unseres Alltags. Auch das Internet ist überall verfügbar. Wie rasch die Entwicklung verläuft, hängt nur davon ab, wie mutig die Markenartikler sind. Die Signale sind jedenfalls sehr positiv. Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim und Mielo, ein Hersteller von Premium-Honig, machen bereits von der interaktiven Verpackung Gebrauch.


Unternehmen

Constantia Flexibles geht auf die 1912 in Weinburg/Österreich gegründete Teich OHG zurück und ist heute der weltweit drittgrößte Hersteller von flexiblen Verpackungslösungen. Die Unternehmensgruppe beschäftigt rund 8.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 38 Standorten in 16 Ländern und beliefert internationale Konzerne und lokale Marktführer in der Nahrungsmittel-, Hygieneartikel- und Pharmaindustrie. CEO Alexander Baumgartner leitet das Unternehmen seit Oktober 2015 vom Headquartier in Wien aus.

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