Emsiges Treiben am Netzwerkrand

Foto: Kai Schwab, Crosser: »Edge Analytics ermöglicht es, Maschinenausfälle und Prozessoptimierung vorherzusagen.« Foto: Kai Schwab, Crosser: »Edge Analytics ermöglicht es, Maschinenausfälle und Prozessoptimierung vorherzusagen.«

Es muss nicht immer alles in die Cloud gehen: Über Datenanalysen direkt an der »Edge« spricht Kai Schwab, Director DACH bei Crosser.

Report: Welchen Bedarf bei Unternehmenskunden sprechen Sie mit Edge Analytics an? Wer sind Ihre Zielgruppen und warum setzen diese nicht nur auf die großen IT-Infrastrukturplattformen?

Kai Schwab: In den letzten drei bis vier Jahren ist »Edge Processing« oder »Edge Analytics« zu einem wichtigen Bestandteil jeder Diskussion über Unternehmensarchitekturen geworden. Es begann mit den Branchen, die bereits über Maschinen im Feld verfügen, welche sie überwachen und kontrollieren. Diese innovative Idee übertrug sich in viele Industrien und fasst sich heute unter dem Begriff Industrial Internet of Things zusammen.

Heute ist Edge Analytics ein wesentlicher Bestandteil aller IIoT-Projekte wie »Smart Factories«, »Smart Cities«, »Smart Properties« oder »Smart Vehicles«. Die Wertetreiber sind dabei Kostensenkung in den Bereichen Datentransport und -speicherung, Umsatzsteigerung durch neue Geschäftsmodelle sowie Verbesserung der Datenqualität und -sicherheit. Unternehmen haben zusätzlich den Vorteil, flexibel Anwendungsfälle entweder an der Edge oder in der Cloud umzusetzen.

Report: Auf welche Weise kann eine Verarbeitung der Daten direkt an der Maschine kostengünstiger sein als auf einer zentralen, hochskalierbaren Plattform?

Schwab: Die Edge-Verarbeitung ermöglicht Funktionen und Daten am Ort der Entstehung, der Maschine, sofort zu verarbeiten. Darunter verstehen wir beispielsweise das Lesen, das Harmonisieren, das Aggregieren und Anreichern bis hin zur Durchführung von KI-Modellen an der Edge. Die Übertragung, Speicherung und Verarbeitung in der Cloud können sehr kostspielig sein. Cloudanbieter werden in diesem Zusammenhang vor Herausforderungen gestellt, welche durch die Ergänzung von Edge-Funktionalität minimiert werden können.

Durch die Vorverarbeitung der Daten an der Edge und in Abhängigkeit des Anwendungsfalles können Unternehmen mehr als 50% ihrer Cloud-Servicekosten einsparen. Die Edge ist nicht nur eine Verarbeitungsschicht, sondern auch eine ausgezeichnete Integrationsschicht. Es werden benötigte Dienste anstatt in der Cloud an der Edge implementiert, ohne Daten über kostenintensive Streaming- oder IoT-Dienste zu senden.

Und schließlich müssen nicht alle Anwendungsfälle die Daten in die Cloud senden. Dies ist ein zentraler Sicherheitsaspekt in einer modernen IT-Architektur. Mit der Edge können erweiterte Analysen von Maschinendaten vor Ort hinter den Firewalls erstellt werden, ohne Daten an die Cloud zu senden.

Report: Welche Umsetzungen bei Ihren Kunden verdeutlichen den Wandel in der Wirtschaft?

Schwab: Mit neuen Geschäftsmodellen wie »Maschine as a Service« wird, anstatt die Maschinen zu verkaufen, die Leistung als Service zur Nutzung der Maschine über einen Zeitraum angeboten. Der Umsatzanteil des Gesamtgeschäftes im Rahmen des Lebenszyklus der Maschinennutzung wird signifikant erhöht. Dies sind wiederkehrende Umsätze, welche die Unternehmensumsatzplanung erheblich verbessern. Auf der anderen Seite spart der Kunde die einmaligen Investitionen und bezahlt die Leistung, welche er abnimmt.

Edge Analytics spielt hierbei eine zentrale Rolle, da die an der Maschine anfallenden Daten direkt am Ort der Datenentstehung verarbeitet werden können, um somit eine Antwort für Herausforderungen wie Datensicherheit, minimale Latenzzeiten und reduzierte Datenbandbreiten zu haben.

Dann beläuft sich die Wartung von Maschinen auf bis zu 40 % der Gesamtkosten für dessen Betrieb. Insbesondere Machine Learning und künstliche Intelligenz werden die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Wartungsprogramme planen und durchführen, grundlegend verändern. Dabei erfolgt die Durchführung von Machine-Learning-Modellen direkt an der Edge.

Report: Was sind Ihre Geschäftsziele in Österreich?

Schwab: Österreich ist für uns ein wichtiger Markt. Wir haben trotz der Corona-Herausforderungen bereits erste Kunden gewonnen. Unternehmen nutzen aktuell die Zeit, neue und innovative Themen zu betrachten. Wir wollen die Anzahl der Kunden und Partner in den nächsten zwölf Monaten signifikant steigern.

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