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Zu smart für diese Welt

Die durch die smarten Zähler massenhaft anfallenden Daten ließen sich auch durch Dritte gewinnbringend verwerten - wovor Datenschützer seit jeher eindringlich warnen. Die durch die smarten Zähler massenhaft anfallenden Daten ließen sich auch durch Dritte gewinnbringend verwerten - wovor Datenschützer seit jeher eindringlich warnen.

Eine deutsche Ernst & Young-Studie sieht im Smart-Meter-Rollout eine massive Mehrbelastung der Kunden – und empfiehlt treuherzig die Vermarktung der anfallenden Kundendaten.

Die E-Wirtschaft ist auf dem Gleis in Richtung Smart Meter. In wenigen Jahren schon sollen die schlauen neuen Zähler bei Stromkunden völlig neue Welten der Strommessung einläuten. Ein Win-win-Szenario, so wird beteuert, sei der Rollout dieser neuen Technologie: Die Kunden bekämen einen genauen Überblick über ihren Stromverbrauch und könnten so ihr Verhalten wirtschaftlicher gestalten, und auch die Stromerzeuger selbst könnten mit den Daten genauer planen und schlauer wirtschaften. Das, so das Versprechen, ist gut für alle und trägt überdies zum Energiesparen bei – so gewinnt auch die Umwelt.

Eine jüngst vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst & Young im Auftrag des deutschen Bundeswirtschaftsministeriums veröffentlichte Studie hat sich nun näher mit dem Thema Smart Meter befasst. Unter dem dürren Titel »Kosten-Nutzen-Analyse für einen flächendeckenden Einsatz intelligenter Zähler« werden allerdings unliebsame Fakten auf den Tisch gelegt. Die Kurzfassung: Durch Smart Meter wird wohl keine Stromrechnung eines Privatkunden merklich kleiner – die Kosten für den Rollout hingegen werden die Privaten durch Erhöhungen wohl aufgebrummt bekommen.

Keine Einsparungen

Private Haushalte mit einem Verbrauch von bis zu 6.000 Kilowattstunden im Jahr, so wird von Ernst & Young vorgerechnet, könnten durch Smart Meter bescheidene 1,2 bis 1,8 Prozent ihrer Stromkosten sparen. Das wären durchschnittlich 39 Euro im Jahr – allerdings ist dies ein Verbrauch, der im Durchschnitt nur von Vierpersonenhaushalten erreicht wird. Ein- oder Zweipersonenhaushalte brauchen weniger Strom und sparen daher auch weniger – 3.500 kWh Durchschnittsverbrauch hat der deutsche Privatkunde jährlich. Die Kosten für die neuen Zähler samt jährlich anfallenden Betriebskosten hingegen würden mit 89 Euro unabhängig vom Verbrauch für jeden Haushalt jährlich zu Buche schlagen, rechnet die Studie vor. Wenn die Stromanbieter etwa bei Neubauten die Kosten für die  dann in Deutschland  gesetzliche verpflichtende Verbauung von Smart Metern an die Kunden weiterreichen – wovon ausgegangen werden muss –, dürfen diese sogar 109 Euro pro Jahr mehr bezahlen, bei durchschnittlich sehr bescheidenen Einsparungen, so die Studienautoren weiter.

Um diese Kostenfallen erträglicher zu machen und alternative Finanzierungen aufzutun, empfehlen die Wirtschaftsprüfer ungerührt für Datenschützer Haarsträubendes: Als zusätzliche Einnahmequelle für die Stromanbieter sieht Ernst & Young nämlich die sich massenhaft häufenden Daten, die die schlauen Stromzähler von ihren Benutzern anlegen und viertelstündlich nach Hause funken. Zunächst, so schreiben die Analysten, solle man sich aber auf die breite öffentliche Akzeptanz für die smarten Zähler konzentrieren – denn die angesprochene »weitergehende Nutzung der Daten durch Dritte könnten zu erhöhten Datenschutzbedenken führen, die in der Phase der Einführung vermieden werden sollten«.

Datenschutz

Damit sehen sich all jene Datenschützer bestätigt, die in der engen Überwachung der Endkunden per Stromverbrauch immer schon das Einfallstor der nimmermüden Datensammler ins Privateste sehen wollten. Und in Verbindung mit den von den Wirtschaftsprüfern als illusorisch angenommenen Einsparungen ergibt sich eigentlich ein recht düsteres Bild von der smarten Energiezukunft. So betrachtet erscheint die erst im Herbst durchgesetzte lokale  Variante hierzulande als klassisch »österreichische Lösung«: Im Land des »Ja, aber« wird es zwar per Gesetz einen Rollout geben – die Kunden können aber per Opt-out auch die Versmartung ihres Haushalts ablehnen. Gute Nachrichten für Datensensible – aber weniger für die Energieversorger, die dann aufwendig alte und neue Infrastruktur servicieren müssen. Bezahlen wird diesen Aufwand sicher jemand. Man braucht nicht lange nachzudenken, wer das sein wird.

Last modified onDonnerstag, 30 Januar 2014 13:54
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