Corona und die Bauwirtschaft – erste Zahlen und ein Stimmungsbild

Corona und die Bauwirtschaft – erste Zahlen und ein Stimmungsbild Foto: iStock

Die Stimmung in der Bauwirtschaft hat sich durch die Coronakrise massiv eingetrübt, ist aber weniger pessimistisch als in anderen Branchen. Für eine möglichst rasche Erholung braucht es staatliche Eingriffe vor allem auf subnationaler Ebene, so die Einschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO.

Österreich befindet sich zwar bereits wieder auf dem Weg zu einer Normalisierung der Lebensverhältnisse, die Wirtschaft war im April aber weiterhin stark von den Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 betroffen. Zumindest für das Bauwesen gab es mit der Einigung der Sozialpartner und der anschließenden Öffnung der Baustellen ab 27. März jedoch auch Positives zu vermelden. Trotz eines hohen Maßes an verbliebener Unsicherheit (Lieferketten, ausländische Arbeitskräfte) sollte die Bautätigkeit im April daher weniger stark eingeschränkt sein als im Vormonat.

Wie stark sich die Baustellenschließungen auf die Bauproduktion ausgewirkt haben, lässt sich anhand der Arbeitsmarktzahlen erahnen: Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse im Bauwesen verzeichnete im März (Monatsdurchschnitt) einen Rückgang von 10 % bzw. 26.600 Personen gegenüber März 20191. Diese 10 % dürften aber eine eher optimistische Schätzung sein, da die Beschäftigung zu Jahresbeginn 2020 aufgrund der guten Witterung merklich über dem Niveau von 2019 lag. Spiegelbildlich dazu stieg die Arbeitslosigkeit im Bauwesen um rd. 28.000 Personen gegenüber März 2019, was einer Steigerung um über 100 % entspricht.

Hinzu kommt, dass viele Beschäftigte vorsorglich zur Kurzarbeit angemeldet wurden. Die tatsächlichen Produktionsrückgänge dürften daher größer sein, als sich von der Beschäftigungsentwicklung ablesen lässt. Das heißt, obwohl die Baustellenschließungen nicht flächendeckend waren und weniger als zwei Wochen andauerten (16. bis 27. März) waren die Folgen für die österreichische Bauwirtschaft demnach sehr groß.

Stimmungseintrübung

Unter dem Eindruck dieser Produktionseinbußen sind auch die Befragungsergebnisse des WIFO-Konjunkturtests vom April 2020 zu sehen. Die monatlich abgefragten Unternehmenseinschätzungen zur Baukonjunktur illustrieren die massive Stimmungseintrübung durch Covid-19. Der Konjunkturklimaindex der Bauwirtschaft lag zu Jahresbeginn 2020 noch bei Werten über 20 Punkten2 und war deutlich positiver als andere Bereiche der österreichischen Wirtschaft.

Zudem konnte sich die Bauwirtschaft auch im März noch den ersten Abwärtstrends entziehen. Die Befragungsergebnisse vom April – der Großteil davon wird in den ersten beiden Wochen des Monats gemeldet – zeigen dann einen der stärksten Einbrüche seit Bestehen des Konjunkturtests: Der Konjunkturklimaindex sank um fast 30 Punkte. Die Konjunktureinschätzungen in der Bauwirtschaft sind damit innerhalb eines Monats von hochkonjunkturähnlichen Werten (22,9 im März) in den negativen Bereich (-11,7 im April) abgestürzt.

Die Verschlechterung des Index in der Bauwirtschaft war dabei sehr ähnlich jener in der Gesamtwirtschaft, die ebenfalls um rund 30 Punkte verlor. Aufgrund der besseren Ausgangslage ist die Stimmung in der Bauwirtschaft aber weniger pessimistisch als in anderen Branchen.

Trotz der weniger pessimistischen Einschätzung im Bauwesen, offenbaren die Detailergebnisse dennoch einige bedenkliche Entwicklungen. So hat sich die Einschätzung des Auftragsbestandes durch die Bauunternehmen von März auf April deutlich verschlechtert.

Dies deutet darauf hin, dass nicht nur die Bautätigkeit eingeschränkt war, sondern dass auch Bauprojekte storniert oder zumindest aufgeschoben wurden. Diese Entwicklung lässt Zweifel dahingehend aufkommen, dass die Bauwirtschaft die Coronakrise einfach »durchtauchen« kann. Ein großer Teil der befragten Unternehmen sieht keine Möglichkeit, die Umsatzeinbußen aufholen zu können.

Vergleich 2008/2009

Bei der aktuellen Krise drängt sich natürlich der Vergleich mit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 auf. Die Geschwindigkeit, mit der die Bauwirtschaft aufgrund von Covid-19 abgebremst hat, ist zweifelsohne deutlich höher als damals. Der Konjunkturklimaindex verschlechterte sich in der letzten Krise langsam, aber sukzessive in elf aufeinanderfolgenden Monaten.

Gleichzeitig sind die derzeitigen Konjunktureinschätzungen doch (noch) um einiges besser als vor gut zehn Jahren: Damals wurde ein Wert von -18,2 Punkten erreicht. Hinzu kommt, dass speziell die Erwartungen der Bauunternehmen nicht so stark negativ sind wie damals. In der Branche herrscht demnach die Einschätzung, dass es nach dem dramatischen Produktionseinbrüchen relativ rasch zu einer Erholung kommt.

Notwendige Maßnahmen

Die Geschwindigkeit der Erholung dürfte dabei jedoch langsamer ausfallen, als dies zu Beginn der Krise, auch vom WIFO, erwartet worden ist. So könnte die österreichische Bauwirtschaft zwar den direkten Corona-Schock einigermaßen glimpflich überstehen, aber in der Folge mit einer schwächeren gesamtwirtschaftlichen Nachfrage konfrontiert sein. Klarheit darüber, welches dieser Szenarien sich verwirklicht, wird man jedoch erst in einigen Monaten haben.

Sollte Österreich und Europa in eine tiefere, und vor allem länger anhaltende Rezession schlittern, stellt sich freilich die Frage nach der Rolle der Bauwirtschaft in staatlichen Konjunkturprogrammen. Abgesehen vom reinen Vorziehen bereits geplanter staatlicher Infrastrukturinvestitionen (beispielsweise bei ÖBB und ASFINAG) sollte das Augenmerk dabei vor allem auf die subnationale Ebene, d.h. Länder und Gemeinden, gelegt werden.

So wird ein Großteil der staatlichen Bau- und Infrastrukturinvestitionen von Ländern und Gemeinden getätigt, welche jedoch massive Ausfälle in den Steuereinnahmen zu befürchten haben. Anstatt neuer Förderprogramme auf Bundesebene wäre daher eine Stabilisierung der Investitionsnachfrage von Ländern und Gemeinden der sinnvollere Weg für (Bau-)Konjunkturpolitik. Dies würde zudem dem Geiste des aktuellen Regierungsprogramms entsprechen, wonach Impulse und ökologische Reformen im Bereich Bauen und Wohnen nur im Zusammenspiel mit Ländern und Gemeinden zu realisieren sind.

1) Zahl der Beschäftigungsverhältnisse im Bauwesen gemäß Hauptverband der Sozialversicherungsträger

2) Die Werte des Konjunkturklimaindex reichen von -100 bis +100 Punkte. In einer Hochkonjunkturphase werden typischerweise Werte zwischen 20 und 30 Punkten erreicht. Ein Wert von 0 repräsentiert ein neutrales Konjunkturklima.

 

WIFO-Sonderbefragung zur Corona Pandemie

Im Rahmen des WIFO-Konjunkturtests wurden den Unternehmen Sonderfragen zur Corona-Pandemie gestellt. Die vorliegende Vorauswertung deckt den Zeitraum 01.04. bis 16.04. ab und gibt Aufschluss über die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der damit zusammenhängenden Maßnahmen auf die österreichischen Unternehmen.

Die Sonderauswertung zeigt, dass die Mehrzahl der österreichischen Unternehmen durch die Coronakrise stark negativ betroffen ist. Mehr als 85 % der antwortenden Bauunternehmen geben an, dass ihre derzeitige Geschäftstätigkeit negativ oder sehr negativ betroffen ist. Nur in der Dienstleistungsbranche sind die Einschätzungen noch negativer.

Über 90 % der Bauunternehmen rechnen mit einem Rückgang des Jahresumsatzes aufgrund der Coronakrise. Durchschnittlich erwarten die Unternehmen einen Umsatzrückgang um ein Fünftel, wobei kleinere Unternehmen tendenziell größere Rückgänge befürchten.

Die Mehrzahl der Unternehmen rechnet nicht damit, diese Umsatzrückgänge durch zusätzliche Umsätze im kommenden Jahr auszugleichen (siehe Abbildung). Speziell in der Bauwirtschaft war jedoch das Ausmaß der Unsicherheit bei dieser Frage überdurchschnittlich hoch.

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