Der Blick über den Tellerrand

Der Blick über den Tellerrand Foto: iStock

Der Bau & Immobilien Report hat sich in einigen Branchen umgehört, inwieweit sie mit Fachkräftemangel konfrontiert sind und welche Maßnahmen sie setzen.

Blick in den Tourismus

Gesprochen hat der Report mit Martin Stanits von der Österreichischen Hoteliervereinigung.

Report: Vor welchen Herausforderungen steht die Hotellerie?

Martin Stanits: Die Hotellerie steht vor einem ausgeprägten Fachkräftemangel, der sich infolge des starken Nachfragewachstums und rückläufiger Geburtenraten in ganz Europa auch auf den Hilfskräftebereich auszuweiten droht sowie hoher Fluktuation. Der Tourismus kann im Unterschied zu anderen Branchen nicht auf Vorrat produzieren, daher ist er vom Fachkräftemängel noch stärker betroffen.

Report: Wie kann der Tourismus darauf reagieren?

Stanits: Das Berufsbild muss attraktiver werden, es braucht z.B. Mitarbeiter­mobilitätsprogramme, Arbeitszeitflexibilisierung, Förderung von Mitarbeiterunterkünften, Ausbau und Adaptierung des Kinderbetreuungsangebots an Arbeitszeiten. Die ÖHV forciert seit Jahren intensiv die Weiterbildung und Qualifizierung von Eigentümern und Führungskräften, beginnend mit dem ÖHV-Trainee.

Report: Beschreiben Sie bitte das Projekt Trainee.

Stanits: Der ÖHV-Trainee ist ein zweijähriges Ausbildungsprogramm mit der Tourismusschule Semmering, vergleichbar mit einer Lehre für Maturanten. Die theoretischen Ausbildungsblöcke werden am Tourismuskolleg Semmering oder Innsbruck absolviert, die praktischen in ÖHV-Mitgliedsbetrieben. Es besteht sehr großes Interesse an dieser fachlich hochwertigen Ausbildung. Wir verzeichnen einen sehr großen Teil internationaler Schüler, auch aus Fernost und den USA.


Blick in die Medizin

Gesprochen hat der Report mit Markus Müller, Rektor der MedUni Wien, und Sabine Wolf, Direktorin Pflegedienst im AKH Wien.

Report: Wie bewerten Sie den Fachkräftemangel im Arztsegment?

Markus Müller: Es gibt keinen generellen, ausgenommen im Bereich Landarzt. Das hängt vor allem mit der Struktur im ländlichen Raum zusammen. Es fällt schwer, junge Mediziner in strukturschwache Regionen zu locken, wo der Aufbau einer Zukunft mit Familie schwer umzusetzen ist. Vielfach fehlt es z.B. an Kindergärten, Infrastruktur und Weiterbildungsmöglichkeiten. Österreich als Arbeitsmarkt fehlt es allerdings generell an Anreiz. Aus Absolventenbefragungen wissen wir, dass 30 Prozent der fertigen Ärzte ihre Praxis nicht in Österreich öffnen. In den ersten Jahren nach dem Studium geht ein Drittel ins Ausland. Wir haben einen Brain-Drain, eine Talentabwanderung.

Report: Der Fachkräftemangel im Pflegebereich ist sehr hoch, woran liegt das?

Sabine Wolf: Die heutigen Generationen denken anders. Sie suchen keinen sicheren Gemeindedienstposten, sondern einen Beruf, der herausfordert, wo sie etwas lernen können. In fünf Jahren wechseln sie dann.

Report: Damit braucht es auch einen Wandel in der Werbung …

Wolf: Man muss Krankenpflegerinnen und -pfleger anders ansprechen, ihnen mehr bieten. Es ist z.B. entscheidend, ob eine Wohnmöglichkeit vorhanden ist, wie viele Tage für Personalentwicklung und Ausbildungsunterstützung geboten werden, ob die Möglichkeit zur Teilzeit besteht, ob bei einem Auslandsaufenthalt eine Art Karenzierung geboten wird, wie oft Überstunden anfallen. Die Mitarbeiter­innen und Mitarbeiter geben Input, sind flexibel, erwarten auch Output und Wertschätzung durch den Arbeitgeber.

Report: Ist die Integration ausländischer Fachkräfte zielführend?

Wolf: Wir haben einen hohen Anteil an ausländischen Pflegepersonen, das ist auch ein Gewinn für uns angesichts des hohen Anteils an ausländischen Patientinnen und Patienten. Wenn ich eine Reinigungskraft mit Muttersprache Mandarin habe, unterstützt sie mich bei der Kommunikation mit PatientInnen aus China.


Blick in Erneuerbare Energien

Gesprochen hat der Report mit Michael Trcka, Finanzvorstand W.E.B

Report: Haben Erneuerbare Energien Einfluss auf den Zuspruch von Mitarbeitern?

Michael Trcka: Selbstverständlich. Unsere Mitarbeiter wissen, dass sie durch ihre Arbeit im Sektor der Erneuerbaren Energien die Welt ein Stück besser machen können. Der Energiesektor zeichnet sich aktuell durch viel Dynamik aus. Gute und erfahrene Leute sind deshalb gefragt. Servicetechniker sind Mangelware.

Report: Welche Maßnahmen setzt W.E.B Windenergie, um Fachkräftemangel zu verhindern?

Trcka: Der Standort im oberen Waldviertel stellt eine besondere Herausforderung dar. Dem begegnen wir mit einem flexiblen Mix von Arbeitszeiten im Büro und im Home Office, d.h. mit Blended Working. Wir unterstützen die Aus- und Weiterbildung unserer MitarbeiterInnen, zahlreiche KollegInnen haben berufsbegleitend studiert.

In der gesamten W.E.B-Gruppe bieten wir Praktika für SchülerInnen und StudentInnen. Diese Praktika haben sich zu einem wichtigen Sprungbrett für einen dauerhaften Einstieg entwickelt. Seit diesem Jahr gibt es von uns Trainee-Positionen für Berufseinsteiger nach dem Studium.

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