»Wir liefern Antworten auf Fragen, die beim Kunden gerade erst entstehen«

Foto: »Als Weltmarktführer ist das Wichtigste, unser Markenversprechen immer und überall zu halten. Das geht nur mit den richtigen Partnern und da sind wir auch in Österreich hervorragend aufgestellt«, sagt Georg Himmelstoß. Foto: »Als Weltmarktführer ist das Wichtigste, unser Markenversprechen immer und überall zu halten. Das geht nur mit den richtigen Partnern und da sind wir auch in Österreich hervorragend aufgestellt«, sagt Georg Himmelstoß. Foto: Velux

Im Interview mit dem Bau & Immobilien Report erklärt der neue Velux-Geschäftsführer Georg Himmelstoß, wie Velux vom gestärkten Umweltbewusstsein profitiert, wie es Velux im neuen Geschäftsfeld Commercial geht und wie man Antworten auf Fragen geben kann, die noch gar nicht gestellt sind.

Report: Sie haben im September die Nachfolge von Michael Walter als Geschäftsführer von Velux angetreten. Welche kurz-, mittel- und langfristigen Ziele setzen Sie sich?

Georg Himmelstoß: Das kurzfristige Ziel ist, den Wachstumskurs und die positive Entwicklung dieses Jahres fortzusetzen und ins neue Jahr mitzunehmen. Ich habe bei Velux ein äußerst kompetentes und konstruktives Team vorgefunden. Meine Aufgabe wird es sein, für die idealen Rahmenbedingungen zu sorgen, damit diese geballte Kompetenz weiter am Markt marschieren kann.

Mittel- und langfristig geht es mir darum, noch näher am Markt und an unseren Partnern zu sein. Die Rolle des kompetenten und perfekten Ansprechpartners zu den Themen Frischluft und Tageslicht, speziell in Hinblick auf die neue Tageslicht-Norm, will ich noch weiter ausbauen. Wir wollen und werden im richtigen Moment die passenden Antworten für unsere Partner liefern.

Als Marktführer werden wir uns verstärkt mit Megatrends wie der Urbanisierung, beschäftigen.  Davon ist auch Österreich enorm beeinflusst. Wien ist die am schnellsten wachsende Stadt im deutschsprachigen Raum. Da muss man sich im Gegenzug auch überlegen, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf den ländlichen Raum hat. Themen wie städtische Nachverdichtung und ökologisches Planen und Bauen werden in Zukunft noch zentraler.

Report: Auch wenn Sie nahe am österreichischen Markt sind, sind Sie Teil eines großen internationalen Konzerns, der auch Produkte und Rahmenbedingungen vorgibt. Wie groß ist Ihr regionaler Spielraum? 

Himmelstoß: Es ist auch regional von Vorteil, auf das Produkt-Know-how eines weltweiten Marktführers zurückgreifen zu können. Denn es ist unser Ziel, Antworten auf Fragen zu haben, die beim Kunden gerade erst entstehen. Natürlich hören wir auch die Stimme des Marktes. Deshalb werden wiederkehrende Ideen des Marktes und der Architektur auch zurück ins Unternehmen gespielt.

Report: Wie hat sich die aktuelle Hochkonjunktur auf Velux ausgewirkt? Waren die Kunden verstärkt bereit, in höherwertige Lösungen zu investieren?

Himmelstoß: Natürlich hat die Konjunktur auch Einfluss auf uns. Als Velux stehen wir aber nicht im Wettbewerb mit vergleichbaren Produkten, sondern auch mit Investitionsbereichen wie Böden, Küchen oder Möbel. Die Entwicklung von Velux ist neben der Konjunktur vor allem davon getrieben, dass Relevanz und Wirkung unserer Produkte, nämlich Tageslicht und frische Luft, von den Kunden auch so wahrgenommen werden. In die Hände gespielt haben uns natürlich auch klimatische Aspekte, vor allem in Hinsicht auf den Absatz bei unseren Beschattungslösungen.   

Report: Velux ist uneingeschränkter Marktführer im Bereich Dachfenster und sieht sich selbst auch als Innovationsführer. Woran wird aktuell gearbeitet? Mit welchen Innovationen dürfen Kunden in absehbarer Zeit rechnen?

Himmelstoß: Wir sind schon sehr weit im Bereich Sensorik und Automatisierung. Das wird auch in Zukunft ein Schwerpunkt bleiben, mit dem wir uns sehr intensiv auseinandersetzen. Ein weiterer wichtiger Baustein ist der gestalterische Aspekt. Hier ist vor allem die Visualisierung - für Planer aber auch Renovierer und Häuslbauer - hilfreich, um sich der Wirkung von Tageslicht von oben bewusst zu werden.

Report: Wenn wir von Sensorik und Automatisierung sprechen, sind wir rasch bei den Themen Digitalisierung und »Smart Home«. Daten zu sammeln ist das eine, daraus intelligente Anwendungen abzuleiten das andere. Wo gibt es noch sinnvolle Lösungen, wo ist es vielleicht schon zu viel?

Himmelstoß: Das sieht jeder User anders. Die einen lieben die neuen Möglichkeiten, über Apps alles Mögliche selbst zu steuern, andere denken pragmatischer und fragen nach dem tatsächlichen Mehrwert abseits der technischen Spielerei. Da kommen wir ins Spiel. Wir bieten mit ausgeklügelter Sensorik und in Zusammenarbeit mit Google Home und Apple Home sowie der Verwendung von regionalen Wetterdaten ein völlig selbsttätiges und automatisiertes System, das mittels Messung von CO2, Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur laufend für die optimalen Raumklimabedingungen sorgt. Das bietet für jeden User einen Mehrwert.

Report: Wir stark ist hier schon die tatsächliche Nachfrage?

Himmelstoß: Wir verzeichnen bei diesen Produkten eine ständig steigende Nachfrage und einen bereits bemerkenswerten Anteil am Gesamtgeschäft. 

Report: Wie wirkt sich der Megatrend der Digitalisierung intern bei Velux aus, auf die Produktion und Prozesse?

Himmelstoß: Die Digitalisierung bringt oft auch Auswüchse, die viele überfordern und auch kaum Mehrwert bringen. Es geht darum, die Digitalisierung in ihrer Grundidee umzusetzen, nämlich Informationsflüsse, Prozesse und Abläufe zu vereinfachen. Das versuchen wir natürlich auch bei Velux, indem wir administrative Tätigkeiten automatisieren.

Das betrifft auch die intelligente Steuerung der Kundenansprache etwa mit unserem Profi-Shop. Auf dieser Plattform können die Profi-Anwender Produkte einsehen und bestellen. Für die perfekten Abläufe ist viel Intelligenz im Hintergrund nötig. 

Intern geht es darum, mithilfe der Digitalisierung unsere Kapazitäten zum höchstmöglichen Maß auf Markt und Kunden auszurichten. Alles, was nicht direkt dem Markt dient, sollte langfristig digitalisiert bzw. automatisiert werden.  

Report: Ein Megatrend innerhalb der Bauwirtschaft ist ohne Zweifel Building Information Modeling. Inwieweit ist Velux BIM-fit?

Himmelstoß: Ein Großteil unserer Produkte ist BIM-fit. Allerdings muss man auch sagen, dass bei BIM vieles noch unklar ist und nicht alle vom Selben sprechen. Geht es nur ums Modeling oder die gesamte Bauabwicklung? Deshalb ist die tatsächliche Nachfrage in Österreich auch noch überschaubar. Wir sind aber vorbereitet, wenn das Thema so richtig Fahrt aufnimmt.

Report: Velux ist bislang vor allem im Endkundensegment stark. Mit mehreren Akquisitionen und der Gründung der Sparte Commercial will man verstärkt im gewerblichen, öffentlichen und industriellen Markt Fuß fassen. Wie geht es Velux in diesem relativ neuen Geschäftsfeld?

Himmelstoß: Das bedeutet für uns tatsächlich Neuland, sowohl was Zugang als auch Ansprache des Marktes betrifft. Wir haben den Vorteil, dass die Produkte von Velux Commercial wie das modulare Oberlichtsystem sehr gut sind und auch das Feedback des Marktes auf die ersten Projekte sehr positiv ist. Sowohl hinsichtlich des gestalterischen Aspekts, aber auch hinsichtlich der Montage. Da kann man sehr effizient in kürzester Zeit tolle Projekte verwirklichen. Das haben wir heuer schon mehrfach bewiesen. 

Auch wenn dieser Schritt für Velux Neuland bedeutet, war er doch naheliegend. Denn gerade im mehrgeschoßigen Wohnbau gibt es oft Anforderungen, wo die neuen Produkte in Kombination mit dem bereits bekannten Sortiment optimale Hybridlösungen darstellen.    

Report: Die Konjunktur trübt sich derzeit etwas ein. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Jahr 2020?

Himmelstoß: Ich bin ein Freund davon, nicht blauäugig, aber mit einer gesunden Portion Optimismus in die Zukunft zu blicken. Die Vorzeichen in Österreich sind im Vergleich zum restlichen Europa immer noch positiv. Aus Unternehmenssicht blicke ich optimistisch ins neue Jahr. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und stehen mit den richtigen Initiativen in den Startlöchern.

Dazu kommt, dass die österreichische Baubranche in den letzten Jahren doch etwas überhitzt war. Die Kapazitätsengpässe waren deutlich spürbar. Da muss eine leichte Beruhigung nicht unbedingt negativ sein.

Außerdem könnte ein Rückgang im Neubau auch der Sanierung dienlich sein. Man muss sich auch die Frage stellen, ob es wirklich immer klug ist, neu zu bauen, anstatt sich um den Bestand zu kümmern. Bei einer Leerstandsquote von 10 % gibt es hier auch ein enormes Potenzial. Als Velux haben wir für beide Bereiche die passenden Lösungen. Deshalb blicke ich auch ruhig in die Zukunft.

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