Mit der Revision der ISO 19011, dem weltweit anerkannten Leitfaden für die Auditierung von Managementsystemen, werden Organisationen und Auditoren und Auditorinnen auf die Herausforderungen einer sich rasch verändernden Arbeits- und Geschäftswelt vorbereitet. Die neue ISO 19011:2026 haben die bewährten Auditgrundsätze weiterentwickelt und aktuelle Themen berücksichtigt.
Warum ist die Revision wichtig?Audits sind ein zentrales Instrument, um die Wirksamkeit von Managementsystemen zu bewerten und deren kontinuierliche Verbesserung sicherzustellen. Die Rahmenbedingungen haben sich jedoch seit der letzten Normversion 2018 erheblich verändert: Globale Lieferketten, hybride Arbeitsmodelle, steigende regulatorische Anforderungen und neue Technologien brauchen moderne Auditansätze. Auditnachweise liegen heute überwiegend digital vor. Darüber hinaus bietet die technische Spezifikation ISO/IEC TS 17012:2024 erstmals einen eigenen Leitfaden für Remote-Audit-Methoden, dessen Empfehlungen nun in die ISO 19011 eingeflossen sind.
Schwerpunkte der ISO 19011:2026:
- Aktualisierung der Auditgrundsätze
- Stärkere Berücksichtigung von Risiken und Chancen
- Erweiterte Leitlinien für Remote- und Hybrid-Audits
- Digitalisierung von Auditprozessen
- Einsatz digitaler Technologien und KI-Unterstützung
- Kompetenzanforderungen für Auditoren und Auditorinnen der Zukunft
- Verbesserung der Auditqualität und Wirksamkeitsbewertung
Erstmals definiert die Norm den Begriff der Remote-Audit-Methode. Die Wahl der Auditmethode ist daher nun neine bewusste Planungsentscheidung, die auf Basis von Risiko, Auditziel, Prozesskomplexität und der verfügbaren IT-Infrastruktur auf beiden Seiten zu treffen und im Auditprogramm-, -plan und im -bericht zu dokumentieren ist. Nicht alles lässt sich aus der Distanz beurteilen. Umgebungsbedingungen, Hygienepraxis und mehr erfordern weiterhin physische Präsenz.
2. Digitale Technologien und InformationssicherheitDie Revision regelt den Einsatz von Tablets und Notebooks im Audit, digitale Auditwerkzeuge, datenanalytische Auswertungen und KI-gestützte Verfahren. Digitale Methoden müssen die Qualität, Objektivität und Nachvollziehbarkeit der Auditfeststellungen unterstützen. Vertraulichkeit, Datenschutz und Informationssicherheit werden wichtiger.
3. Der risikobasierte Ansatz wird konkreterDer risikobasierte Ansatz bleibt eines der Auditprinzipien. Neu ist: Die Revision beschreibt greifbarer, welche Risiken und Chancen bei der Gestaltung eines Auditprogramms zu betrachten sind und berücksichtigt dabei u.a. die Verfügbarkeit qualifizierter Auditoren sowie technische Ausfälle, Sicherheitsrisiken und mehr.
4. Lieferkette und ausgelagerte ProzesseDie Hinweise zum Auditieren der Lieferkette wurden erweitert. Empfohlen wird u.a. die Lebenszyklusperspektive im Sinne der Nachhaltigkeit. Für Organisationen mit ausgelagerten Prozessen, Lohnverarbeitern oder Private-Label-Konstellationen ist das der praktisch relevanteste Teil der Revision. Lieferantenaudits zeigen neutral auf, wo die Leistung konform erbracht wird und wo Risiken und Chancen liegen.
5. Kompetenz der Auditorinnen und AuditorenKompetenz ist mehr als Normenwissen: Die Revision betont den sicheren Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnik, das Verständnis des prozess- und risikoorientierten Ansatzes, die angemessene Bewertung von Risiken und Chancen sowie Kommunikationskompetenz, insbesondere wirksame Zusammenarbeit, geeignete Fragetechnik und souveränes Verhalten bei Meinungsverschiedenheiten.
6. Kontext, Leistung, Klima und NachhaltigkeitStärker berücksichtigt werden die Kontextanalyse, die Bewertung leistungsbezogener Ergebnisse sowie Auswirkungen des Klimawandels und Nachhaltigkeitsanforderungen. Audits sollen nicht nur Konformität bestätigen, sondern beantworten, ob das Managementsystem im tatsächlichen Umfeld der Organisation geeignet, angemessen und wirksam ist.
Warum Audits heute wichtiger denn je sindAudits sind keine Pflichtübung, sondern das systematischste Instrument, das eine Organisation besitzt, um zu prüfen, ob das das Geplante in die Realität umgesetzt wurde. Die ISO 19011:2026 unterstreicht außerdem die Rolle von Auditoren und Auditorinnen als wichtige Partner. Neben klassischen Auditkompetenzen gewinnen Datenanalyse, digitale Werkzeuge und die Bewertung neuer Risiken an Bedeutung.
Bleiben Sie informiert: Quality Austria unterstützt Organisationen mit Trainings und Workshops für Auditoren und Auditorinnen bei der erfolgreichen Umsetzung der neuen Anforderungen der ISO 19011:2026.
Weiterführende Informationen und Trainings-Tipps